Um einen Menschen verstehen zu können, muss man das Jahr kennen, in dem er das Licht der Welt erblickte.
1975:
Ach was für ein Jahr, es wurde gefeiert, bis die Schwarte kracht. Außer bei den Zeugen Jehovas vielleicht, die warteten das ganze Jahr auf den Weltuntergang.
Aber sonst: der Vietnam-Krieg war vorbei, die Weltraumorganisation ESA wurde gegründet und – jetzt haltet euch fest – die letzte Pockenerkrankung wurde registriert. Außerdem wurden alle Deutschen, die zwischen 1954 und 1957 geboren wurden auf einen Schlag Volljährig, weil das Volljährigkeitsalter von 21 auf 18 Jahre gesenkt wurde. Mao Tse Tung empfängt als ersten deutschen Politker Franz-Josef Strauß und das Ozonloch wird entdeckt (wo war da jetzt eigentlich noch mal der Zusammenhang?).
Die Queen schlägt Charlie Chaplin zum Ritter, Monty Pythons Film „Der Ritter der Kokusnuss“ kommt in die Kinos und das Kernkraftwerk Biblis geht ans Netz. Die Uno proklamierte 1975 als das Jahr der Frau. Helmut Kohl lässt sich zum ersten Mal als Kanzlerkandidat aufstellen und verliert ein Jahr später gegen Kanzler Helmut Schmidt. Erst mal gibt er jedoch der SPD/FDP geführten Bundesregierung die Schuld an der weltweiten Rezession.
Dann, an einem Tag im Juli um 18.45 Uhr: ich entschlüpfe meiner Mutter. 18.46 Uhr: der allererste registrierte Sack Reis fällt in China um. In den Radios laufen Hits wie „Tränen lügen nicht“, „Griechischer Wein“ oder „Paloma Blanca“ rauf und runter. Das war noch Musik! Nicht so ein Enrique Iglesias – Quatsch. Apropos: der wurde auch 1975 geboren. Genau wie auch Ralf Schumacher, David Backham, Roy Makaay, Tiger Woods, Sabine Bätzing, Benjamin von Stuckrad-Barre oder Angelina Jolie.
Das war 1975.